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Faceted Navigation und SEO

SEO

Die Navigation ist ein wichtiger Bestandteil der Website sowie Informationsarchitektur und ermöglicht es dem Nutzer, innerhalb der Website von Seite zu Seite zu springen. Dabei kommen verschiedene Varianten zum Einsatz. Eine dieser Möglichkeiten ist die Faceted Navigation (deutsch: Facettierte Navigation oder Facettennavigation), auch bekannt unter dem Namen “Faceted Search”, also Facettensuche.

Was ist Faceted Navigation?

Im Zuge der Informationsarchitektur werden alle Informationen und Inhalte einer Website sinnvoll klassifiziert und gruppiert. Die Inhaltsgruppen werden dann in hierarchischer und strukturierter Form dargestellt. Zwischen einzelnen Inhalten stellt die Navigation sicher, dass Nutzer von einer Seite zur Nächsten gelangen können. Nutzer können sich dadurch schrittweise durch die Hierarchie abwärts bewegen. Hier spricht man vom “Drill-Down”. Problem dieser klassischen Hierarchie ist, dass Nutzer in der Theorie nicht mehr auf Unterseiten anderer Teilbereiche zugreifen können (außer man stellt die entsprechenden Querverlinkungen her).

Bei einer Faceted Navigation wird mittels Filterungen und Einschränkungen “navigiert”. Filterungen können dabei aufgehoben werden, um einen früheren Stand herzustellen, was das Gegenstück zur oben beschriebenen Methode darstellt. In Online Shops kommt diese Navigation mitunter zum Einsatz, um durch eine Vielzahl an Produkten zu navigieren. Genauer gesagt werden hier Produktergebnisse gefiltert. Durch die Einschränkungen gelangen Nutzer schneller zum Ziel. Dabei werden grob 2 Filterarten angeboten:

  • Sortierung nach Preis, Beliebtheit, etc.
  • Filterung nach Produktdetails wie Marke, Farbe, etc.

SEO-Gefahren

Aus UX-Sicht ist die Faceted Navigation also eine gute Sache. Aus SEO-Sicht können Gefahren entstehen. Denn: Sobald der Nutzer filtert, werden an die Kategorie-URL meist Parameter angehängt. Hier ein paar Beispiele:

  • beispiel-shop.com/produkte/felgen/?farbe=schwarz
  • beispiel-shop.com/produkte/felgen/?farbe=schwarz?zoll=20
  • beispiel-shop.com/produkte/felgen/?farbe=schwarz?zoll=20?art=speichen
  • Etc.

Dadurch können folgende SEO-Probleme entstehen:

  • Verschwendung von Crawl-Budget: Auch wenn man sich laut Google nicht zu viel Gedanken und Sorgen um das Crawl-Budget machen sollte, kann das bei großen Websites dennoch problematisch werden. Werden in einem Online Shop viele Produkte mit vielen Filter-Möglichkeiten angeboten, kann durch die Kombination verschiedener Filter eine sehr hohe Anzahl an URLs entstehen. Dies führt dazu, dass Suchmaschinen-Bots die Website nicht effizient crawlen können. Der Bot verschwendet seine Zeit mit dem Crawlen von eher unwichtigen URLs, während im schlimmsten Fall neue URLs auf das Crawling lange warten müssen.
  • Index Bloat: Die gecrawlten Filter-URLs sind dann meist auch indexierbar, was dazu führt, dass sehr viele – für den Index – irrelevante URLs in den Index kommen. Hier spricht man dann von “Index Bloat”. Von diesem Problem sind stark E-Commerce-Seiten betroffen.
  • Duplicate Content: Durch die unendlichen Filterkombinationen entstehen viele ähnliche und gleiche URL-Versionen. Die Seiten haben dann Inhalte mit kaum Mehrwert. Auch unterscheiden sie sich kaum voneinander. Folge: Duplicate Content.
  • Verteilung der internen Linkpower: Hat eine Website insgesamt 10.000 URLs, 100 davon sind wichtige statische Seiten mit hochwertigen Content, weitere 100 sind ebenfalls für den Index wichtige Kategorieseiten und die Hälfte restlichen 9.800 sind nur Filter-URLs (also Kombinationen der Kategorie-URL; die andere Hälfte wären Produkt-URLs), die für den Index irrelevant sind, dann kann man sich ausmalen wohin die interne Linkpower fließt.

SEO-Probleme entdecken

Um aus SEO-Sicht problematische URLs aus der Faceted Navigation zu entdecken gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • In den Server-Log-Files kann man sehen, welche URLs Bots gecrawlt haben. Tauchen dort viele Parameter-URLs auf, sollte man die Faceted Navigation näher beleuchten.
  • Mit SEO-Crawlern lassen sich Suchmaschinen-Crawls simulieren. Hierzu gibt es diverse Tools am Markt, die Reportings zu Duplicate Content, etc. liefern.
  • In der Google Search Console kann man im Bericht “Leistung” rankende URLs entdecken, die zu Keyword-Kannibalismus führen. Dies ist meist ein Indiz für Duplicate Content und kann dann weiter ein Indiz für problematische URLs aus der Faceted Navigation sein.
  • Innerhalb der Google-Suche lassen sich Suchoperatoren nutzen, um auf indexierte Faceted-Navigation-URLs zu stoßen. Dabei können bspw. “site:domain.com inurl:filter?” verwendet werden.

Negative SEO-Auswirkungen vermeiden

Um negative Auswirkungen, resultierend aus der Faceted Navigation, zu vermeiden, können folgende SEO-Mechanismen eingesetzt werden:

  • Die Faceted-Navigation-URLs können auf “noindex” gesetzt werden, um sie von einer Indexierung auszuschließen.
  • Mit Canonicals kann man Suchmaschinen einen Hinweis geben, welche der URL-Versionen für den Index bevorzugt werden sollte. Canonicals sind aber nicht so strikt und können von Suchmaschinen auch ignoriert werden.
  • Am besten ist es wenn man Faceted-Navigation-URLs so gut wie es geht reduziert. Das heißt nicht, dass man darauf verzichten sollte. Eine Faceted Navigation ist aus Nutzer-Sicht eine sehr gute Möglichkeit durch die Produkte zu stöbern. Zudem kann so eine URL für später gespeichert und auch weitergeteilt werden. Man sollte jedoch nicht unnötige Filter einsetzen, die von Nutzern kaum bis gar nicht verwendet werden. Bei der Auswertung würde z.B. ein Event-Tracking helfen, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. In meinem Beitrag “Uniform Resource Locator (URL) und SEO” gehe ich bei Lösungen für die Reduzierung von URL-Parameter nochmal näher darauf ein. Durch die Beschränkung auf das Nötigste spart man Crawl-Budget.

Was vermieden werden sollte, ist die Sperrung der Faceted-Navigation-URLs mittels robots.txt. Dann kann der Bot nämlich die URLs und Anweisungen wie “noindex” und Canonicals nicht verarbeiten. Auch sollten die betreffenden URLs nicht mit “noindex, nofollow”, sondern nur “noindex” bzw. “noindex, follow” versehen werden, damit die Links zu den verlinkten Produkten verfolgt werden können.

Faceted-Navigation-URL indexieren lassen?

Es gibt aber auch Situationen, wo es Sinn macht, eine Faceted-URL indexieren zu lassen. Schauen wir uns eine URL von oben an:

beispiel-shop.com/produkte/felgen/?farbe=schwarz?zoll=20

Stellen wir nun bei der Keyword-Analyse fest, dass es eine hohe Nachfrage und viele Suchanfragen dazu gibt, dann kann diese Kombination auch indexiert werden. Neben der Nachfrage sollten aber auch weitere Parameter gegeben sein:

  • Die Seite kann einen Mehrwert für den Nutzer bieten
  • Es sind genug Produkte vorhanden, um a) die Suchintention zu befriedigen und b) um Thin Content zu vermeiden
  • Title, Meta-Description und weitere SEO-Angaben lassen sich für diese Seite manuell pflegen
  • Im besten Fall kann die Seite mit einzigartigen Inhalten (Bilder, Videos, etc.) bespielt werden – sofern aus Suchintentionssicht sinnvoll
  • Es lässt sich aus der dynamischen URL eine sprechende URL machen (Nice-to-Have, jedoch keine Pflicht-Bedingung)

Basis stellt immer die Keyword-Analyse dar. Deshalb ist es für Online-Shops besonders wichtig, die Longtail-Keywords und die Suchanfragen laufend zu überwachen, um auch kurzfristig auf die steigende Nachfrage reagieren zu können.

Last modified: 24. April 2020